ZUSTAND VOR DER RESTAURIERUNG
Die Harfe ist in sehr guter Form, das Korpus schön gerade, die Resonanzdecke ist flach. Die Mechanik bewegt sich leichtgängig auf Pedaldruck. Im Bass sind fünf dicke Darmsaiten moderner Mensur aufgezogen; als Folge ist die Stegleiste aus der Resonanzdecke herausgerissen und zerbrochen. Im Korpusinnern finden sich Spuren eines Versuchs, die Bebalkung zu verändern.
HAUPTSÄCHLICHE RESTAURIERUNGS-ARBEITEN
Resonanzdecke: Mein erstes Anliegen gilt der Wiederherstellung der originalen Deckenkonstruktion. Dabei müssen die etwas verunglückten Abänderungen rückgängig gemacht werden. Nach dem Ablösen der Decke werden als erstes die verletzten Rippen nach originaler Manier ersetzt.
Funktion der Mechanik: Die sieben Pedale regieren, verbunden durch Zugdrähte im Korpusinneren, die sieben Züge im Halshohlraum, deren Achsen durch den Hals hindurch an die linke Aussenseite führen. Hier sind die Drehkrücken oder Greifer befestigt, welche die schwingende Länge der Saiten begrenzen.
Signaturen der Mechanik: Auf einem der Züge finde ich die Signatur eines Uhrmachers samt Jahreszahl "G O' do' 1728 L ". Eine weitere Signatur "Blakey" bezieht sich auf den Metallurgen William Blakey, der in Frankreich u.a. Uhrfedern hergestellt und exportiert hat. Die Mechanik wird zwecks Reinigung ausgebaut. Die Umlenkstiften und die Halbtonstiften belasse ich im Holz.
Die Pedale enden als kurze Stummel, die mit den Schuhspitzen bedient werden. Eine federnde Messingzunge, die an das Korpus geschraubt ist, arretiert das Pedal. Drückt die Schuhspitze die Arretierung wieder gegen das Korpus, kann das Pedal zurückgeführt werden.
Besaitung: Ich habe eine schonende Darm-Besaitung rekonstruiert, die der ursprünglichen wohl nahe kommt. Sie hat 1100 N Gesamtspannung bei a1 = 415 Hz in Es-Dur (oder B-Dur). Die untersten vier Darmsaiten sind mit Silberdraht besponnen. Die Temperierung der Harfe lässt sich am ehesten als mitteltönig deuten; ich intoniere mit 1/6 - Komma. Die leichte Besaitung wird nur für seltene Vorspielzwecke gespannt, ansonsten wird die Harfe in entspanntem Zustand aufbewahrt.